Die Herkunft des Namens Stella Maris
Woher kommt nun der Begriff „Stella Maris“, dieser seltsame Beiname Mariens? Es gibt zwei Theorien dazu. Die eine nennt einen Schreibfehler als Ursache. Der hebräische Name Mariens lautet Mirjam. Man kann dieses Wort in seine Bestandteile zerlegen, מר (mir/mar, Tropfen) und ימ (jam, Meer). Der Name Maria bedeutete dann Meerestropfen, und der Heilige Hieronymus hat sich dazu seine Gedanken gemacht, was das meinen könnte. Und auch andere haben diesen Namen zu deuten versucht:
Stilla bedeutet ‚Tropfen‘ aus dem ‚Meer‘ der Unendlichkeit und Unermeßlichkeit Gottes, ihm so wunderbar ähnlich, kraft seiner schenkenden Gnade, wie das Tröpflein dem Meer gleicht. Durchsichtig, klar, aufleuchtend im Strahl des Lichtes und ihn wiedergebend, bewegt und ruhig und lebentragend. Wer schon den Tropfen bewundert – und so bewundert: muß er nicht in Sehnsucht entbrennen nach dem Meere? Wenn er die Wunder im Tropfen ein wenig nur begriffe und sie ihn froh machten – wird er nicht spüren, daß sie ihm doch nie genügen können und nie genügen dürfen – und wird er nicht hineintauchen wollen und müssen in die Abgründe des Meeres, das rings um ihn und in ihm selbst aufrauscht, um ihn in sich hineinzunehmen für immer? Maria ein Tropfen aus dem Gottesmeer – wie unsäglich schon diese Tröpflein, ein Nichts, gemessen an der brausenden und schweigenden, jauchzend-überströmenden, selig-bewegten Herrlichkeit des Meeres.
Franz Moschner, Unsere Liebe Frau von der erfrischenden Quelle, 1963
Zurück zu Hieronymus: Auf Latein, seiner Sprache, heißt Meerestropfen stilla maris. Daraus soll dann durch einen Schreibfehler bald stella maris, also Meeresstern geworden sein. Soweit die erste Theorie.
Schon früh wurde Maria als Schutzpatronin der Seefahrer gesehen und verehrt. Seeleute mussten sich beim Navigieren früher auf die Sterne verlassen. Da war es gut, wenn ein besonders heller Stern oder Planet ihnen den Weg wies. Die Seeleute haben sich bei ihren gefährlichen Fahrten auch dem Schutz und der Führung Gottes und Mariens anvertraut. Auch Maria weist eine Richtung, sie zeigt uns den Weg zu ihrem Sohn Jesus Christus. So sind die beiden Wegweiser, die Sterne und Maria, zu einem Symbol verschmolzen, und Maria wurde der „Meerstern“ Stella Maris. Das wäre dann die zweite Entstehungstheorie. Viele Kirchenlieder und Hymnen weisen noch heute auf diesen Beinamen Mariens hin: Meerstern ich dich grüße, Wie überleuchtend der Meerstern glänzet, Ave Maris stella:
Ave maris stella / Dei mater alma
Atque semper virgo / Felix coeli porta
Gegrüßest seist du, Meeres Stern / Mutter Gottes
Dennoch immer Jungfrau / Glückliche Pforte des Himmels